Aus unserer Pfarrgemeinde:
M a u t h a u s e n
Pfarr-Reportage in der
Kirchenzeitung der
Diözese Linz vom 26. 11. 1999
von Ernst Gansinger
Gemeinschaftserlebnis ist ein wichtiges Ziel
Mauthausen, nördlich der Donau gelegen, ist eine Pfarre des
Stiftes St. Florian, die jenseits des großen Stromes liegt. Die Donau wird seit jeher
nicht als Trennlinie verstanden. Ist es das Leben am Fluss, dass die Pfarre Mauthausen so
ein bewegtes Pfarrleben hat, ständig in Fluss ist? Tatsache ist, dass etwa die
Katholische Frauenbewegung (KFB) 280 Mitglieder hat und immer auch für Neues offen ist.
So hat sich eine Gruppe Frauen zusammengetan, um Urlaub im Alltag zu erleben:
Einmal im Monat wird ein Abend Urlaub genossen (Trommelabend, Wohlfühlabend, Eislaufen,
Schönheitspflege, Sport ...). Voriges Jahr hat die KFB bei der Aktion
Ferienspaß für Kinder in der Gemeinde mitgetan. Auch die Männerbewegung (KMB)
steht nicht nach und packt in der Pfarre zu, wenn es etwa gilt, den Flohmarkt oder ein
Fest zu organisieren. Besonders engagiert war die KMB Mauthausen auch für das
Fußballspiel gegen die Nationalmannschaft von Uganda in Perg, das im Rahmen der
Sei-so-frei-Tournee die KMB des Dekanates organisierte. Selbstverständlich
sind auch geistlich-spirituelle Angebote von KFB und KMB, etwa der Männereinkehrtag und
der Männertag, die Frauenmessen und der ökumenische Gottesdienst zum Weltgebetstag. Die
Pfarre pflegt die Gemeinschaft, etwa bei Pfarrkaffee, -fest und -ball, durch
Familienrunden, Exerzitien im Alltag, Bibelrunden, Mütterrunde, Frauentreff, Seniorenclub
und Seniorenturnen . . . Auch scheut man sich nicht, für ein Anliegen öffentlich
einzutreten, manchmal auch gegen den Strom der Macht zu schwimmen. So etwa, als Rom die
Instruktion über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester veröffentlichte.
Orts-Steckbrief
Salz, Eisen, Granit und Geschichte Die heute etwa 5.000 Einwohner
zählende Gemeinde Mauthausen ist uraltes Siedlungsgebiet, davon zeugen Funde aus der
Jungsteinzeit. In Urkunden aus dem 12. Jahrhundert wird Mauthausen als Mautstelle an der
Donau erwähnt. Die Mautstelle bestimmte die Lage des Schlosses Pragstein und des Ortes
rundherum. Der Markt erreichte über den Salz- und Eisenhandel Wohlstand, den
ortsansässige Handelshäuser zu den Hansestädten an der Ost- und Nordsee betrieben. Seit
200 Jahren ist Mauthausen durch die Granitverarbeitung bekannt, die um das Jahr 1900
Arbeit für ca. 2000 Menschen in der Region gab. Das ehemalige Konzentrationslager ist ein
Denk-Mal, unter dem Mauthausen leidet. Gemeint ist die synonyme Verwendung des Namens
Mauthausen statt einer unterscheidenden Bezeichnung etwa
ehemaliges Konzentrationslager Mauthausen. Gemeinde und Pfarre arbeiten gut
zusammen. Die Gemeinsamkeit der Interessen floss in die Gründung des Vereins
MauthausnerInnen für Menschlichkeit zuerst ein.
Gehorsam und Mut
Engagierte Christ/inn/en der Pfarre Mauthausen waren von der
Instruktion betroffen, die aus Rom kam und die Dienste von Laien beim Gottesdienst
zurücknahm (etwa predigen und Kommunion spenden). Man beschloss einstimmig, daß
der Pfarrgemeinderat Mauthausen gegen die Instructio und das Schweigen der Bischöfe
öffentlich wirksam auftritt. Pfarrer Mag. Johann Fürst verdeutlicht das Motiv
dahinter: Die Lehre aus der schlimmen Vergangenheit kann nur sein, die Stimme zu erheben,
wenn Menschenwürde wieder in Gefahr kommt. Dem einstimmigen Beschluss folgte ein
Gespräch einer Mauthausner Delegation mit Bischof Aichern, ein Schreiben an alle
Bischöfe Österreichs sowie an oö. Pfarren, in denen Pastoralassistentinnen bzw.
-assistenten arbeiteten, . . . Das Ergebnis war für die Pfarre ernüchternd. Es gab von
den Bischöfen keine konkrete Aussage, man verwies auf die Herbstvisite der Bischöfe in
Rom. War anfangs die Leitvorstellung, dort wo das System recht ist, gehorsam zu sein, und
wo es unrecht ist, dagegen aufzutreten, änderte sich die Sicht, wie innerhalb der Kirche
eine Reform von unten nach oben zu tragen ist: Unsere Verantwortung in der Diözese
ernstzunehmen . . die Auseinandersetzung mit der Basis zu suchen . . . auch andere dazu zu
ermutigen, das Anliegen hinauszutragen. Insgesamt bei sieben Zusammenkünften setzte
sich der Pfarrgemeinderat oder seine Leitung mit diesem heißen Eisen auseinander. Ein
gutes Beispiel dafür, wie die Pfarre Mauthausen engagiertes Christentum versteht.
Jugend aktiv
Das Jugendtreff im Pfarrheim wurde in den Ferien von einer Gruppe
Jugendlicher renoviert. Es ist Lebensraum für ca. 40 junge Mauthausner/innen zwischen 14
und 22 Jahren. Neben dem Jugendtreff kommen die Jugendlichen alle zwei Wochen zusammen, um
sich mit einem Thema auseinanderzusetzen. Auch kreativ/geistliche Veranstaltungen gehören
zum Programm der Jugend (etwa Adventbesinnung, Emmausgang, die Gründonnerstagaktion
Mit dem Schlafsack rund um den Altar). Vor fünf Jahren begann das
Theaterprojekt alle zwei Jahre werden sehr erfolgreich Stücke aufgeführt. Heuer
wurden Loriots dramatische Werke mit großem Erfolg (700 Zuschauer/
innen) aufgeführt. Alle 30 bis 40 Jugendlichen sind daran beteiligt, nicht nur als
Schauspieler. Sie machen vom Plakat über die Bühnendekoration bis zur finanziellen
Endabrechnung alles selber.
Orgel-Töne
Die Orgelsituation beschäftigt seit knapp 20 Jahren die
Pfarrgemeinde. Nachdem die Renovierung der bestehenden Orgel 1991 nicht zufriedenstellend
ausfiel, beschloß der Pfarrgemeinderat (PGR) 1995, einen Neubau der Orgel zu prüfen. 120
österreichische Pfarren mit neuen Orgeln wurden gebeten, über ihre Erfahrungen zu
berichten. 57 (!) Pfarren antworteten. Gut informiert, beschloß der Pfarrgemeinderat 1996
den Orgelneubau einstimmig. Die Diskussion dazu war aber kontroversiell. Die Frage
beschäftigte: Dürfen wir uns angesichts der Not der Welt diesen Luxus leisten? So
beschloß der PGR, für die laufende Periode neben der Liturgie auch die Caritas als einen
Arbeitsschwerpunkt. Gesprächsführung in Hinblick auf die Caritasarbeit war daher Thema
der Herbstklausur. Noch im Jahr 2000 wird es die neue Orgel geben. Zur Projektsumme von
öS 3,3 Mio. ist bereits die Hälfte aufgebracht.
Kirche & Kultur
Für die Kirche von
Mauthausen hat Ende des 18. Jahrhunderts Kremser-Schmidt und seine Schule sechs Bilder
geschaffen, die entsprechend den Festzeiten ausgetauscht werden. Die Marienstatue
Maria vom Sieg, im Volksmund Maria Trost war einst ein
vielbesuchtes Wallfahrtsziel.
Chöre
1981 gestaltete eine Gruppe der Kath. Jugend mit religiösen
Liedern Gottesdienste. Daraus entstand der Jugendchor der Pfarre Mauthausen.
Sein Bedürfnis wuchs, sich an schwierigere Stücken zu wagen. Konzerttätigkeit (auch im
Ausland) setzte ein. Mittlerweile kommen zu Konzerten bis zu 1.300 Besucher/innen. Immer
blieb das Bedürfnis, die frohmachende Botschaft des christlichen Glaubens
musikalisch überspringen zu lassen (Leiter Alfred Hochedlinger). Seit 1996 heißt
der Chor musica viva.
Hochedlinger gründete als Nachwuchs-Chor 1993 die JUSIGRU (Jugendsinggruppe), die nun
Verena Lindtner leitet. Auch der Singkreis Mauthausen, ein weltlicher Chor,
ging aus dem Kirchenchor hervor.
Ernst Gansinger
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